The Story of Derek Wedge „Whiteout Golfing“ #1 / 2011

Nachdem wir unsere Scorecards am Empfang des noblen Clubs abgeholt hatten, begaben wir uns ans Tee 1 und trafen sie da wieder. Vor uns standen ein paar ältere Herren bereits am Abschlag und hinter ihnen waren die zwei Jungs am einchippen.

Mein Partner und ich schmunzelten und dachten uns bereits in diesem Moment, dass dies ein unvergesslicher Tag werden wird. Schlussendlich musste der kleine Typ mit den bereits erwähnten «älteren» Herren auf die Runde und wir paarten mit dem «Jungen mit den Rastas» auf. Es stellte sich heraus, dass dies Dereks erstes richtiges Turnier war und er auch noch nicht lange Golf spielte. Er war natürlich ziemlich erleichtert ob der Tatsache, mit zwei jüngeren Golfern im Flight zu sein. Für uns alle war es eine der besten Runden, die wir je gespielt hatten! Derek gewann sogar das Turnier, gleichauf mit einem anderen Teilnehmer und spielte sein Handicap gleich auf 32 runter. Nach all dem war für uns klar, dass wir diesen Prachtskerl einfach besser kennen lernen müssten, deshalb luden wir ihn Ende Saison zum Interview.

Derek Wedge ist ja nicht unbedingt ein typischer Schweizer Name. Erzähl mal, von wo bist du und wo lebst du?

Geboren bin ich in den USA, in Boston. Aber als ich vier Jahre alt war, dh. vor 24 Jahren, zogen wir in die Schweiz, nach Sion.

Von was lebst du denn bzw. was machst du beruflich, damit du dir das Golfen leisten kannst?

Im Winter bin ich Skilehrer in Crans Montana, wir organisieren auch Freestyle Camps und diverse andere Winter-Aktivitäten. Zudem mache ich noch an einzelnen Freestyle- und Freeride-Contests mit und werde von ASP unterstützt. Den Sommer durch arbeite ich jeweils auf dem Bau um Geld zu verdienen. Ich arbeite gerne mit Holz.

Machst du noch andere Sportarten?

Ich lebe für den Sport! 15 Jahre lang spielte ich Eishockey, das half mir natürlich, das Gefühl fürs Golfen zu bekommen. Und seit etwa sieben Jahren mache ich Extrem Sports wie Freeride Skiing oder Downhill Biking. Ich hab viele verschiedene Sportarten ausprobiert, aber ich liebe Golf. Es ist so ruhig und das völlige Gegenteil zu dem, was ich sonst mache. Deshalb gefällt es mir wahrscheinlich so gut.

Ich habe gehört du hast dieses Jahr beim Red Bull Crashed Ice mitgemacht? Um was geht’s da genau und wie lief es dir?

Ja genau, ich hab zum ersten Mal mitgemacht. Im Internet hab ich davon erfahren, und da ich 15 Jahre Eishockey gespielt habe, immer noch Freestyle-Ski und Skicross fahre, ist das der perfekte Sport für mich! Ich war bei der Qualifikation in Ingolstadt (D) und hab sogar gewonnen. Damit hab ich mich für den Red Bull Crashed Ice in München qualifiziert, ein riesiger Event mit über 25’000 Zuschauern. Für mich eine absolute Premiere. Und noch nie hab ich beim Sport solche Adrenalinschübe erlebt, unglaublich! Aber es lief mir super, ich hab die Pre-Quali am Donnerstag überstanden, die Quali am Freitag und war dann am Samstag am Main Event dabei. Über130 Athleten hab ich hinter mir gelassen, denn von den anfänglich 200 Fahrern kamen nur die besten 64 ins Final. Schlussendlich landete ich in München auf dem 30. Platz – ein unglaubliches Erlebnis! Nächstes Jahr werde ich sicher wieder mitmachen und hoffe, dass ich dann an mehreren WM-Stopps dabei sein kann. Was mir aber noch fehlt ist ein Sponsor!! Aber ich hab meinen Sport gefunden, das werdet ihr noch sehen!


Wann hast du genau angefangen, Golf zu spielen?

Im Oktober 2009 hielt ich auf einer Driving Range zum ersten Mal einen Golfschläger in der Hand. Dann wurde es Winter, und zum ersten Mal auf einem richtigen Golfplatz war ich am Donnerstag, 18. April 2010 im Golf Club Noas in Chermignon. Einen Monat später machte ich 17 Stableford Punkte während meiner Prüfung für die Platzreife im Golf Club Sion, zusammen mit dem Pro Golfer Gregoire Chavaz. So hat alles angefangen!

Und nachdem du die Platzreife hattest, wurdest du Mitglied in einem Golf Club?

Nein, bis jetzt ist es für mich unmöglich, Mitglied zu sein, viel zu teuer. Ich wusste überhaupt nichts über Golf bevor ich angefangen habe. Mir gefiel es, weil ich ziemlich schnell einige gute Resultate hatte. Nachdem ich die Platzreife hatte, schrieb ich mich bei der ASGI ein, dass ist der Schweizer Verband der unabhängigen Golfer. Das ist der einfachste Weg um die offizielle Golfkarte zu bekommen, damit man an verschiedenen Turnieren mitspielen kann und sein Handicap runterbringt.

Und wie war das mit deinem ersten Handicap und ersten Turnier?
Das war wirklich lustig! Im Golf Club La Gruyère spielte ich zum ersten Mal auf einem 18-Loch-Platz ein Turnier. Nachdem ich und mein Freund endlich das Einschreibebüro gefunden hatten, gingen wir zum Tee 1 und warteten ab, mit wem wir im Flight landeten. Dort traf ich dann dich und deinen Begleiter, und ich hatte wirklich Glück dass ich mit euch spielen konnte. Ich spielte so gut ich konnte, was bei dem Regen und Wind nicht ganz einfach war, hörte auf deine Tipps und gewann schlussendlich das Turnier – gleichauf mit einem anderen Golfer – mit 44 Stablefordpunkten und brachte mein Handicap auf 32 runter. Und nach diesem Erfolg wollte ich natürlich weiter Golf spielen!

Hast du nach diesem Turnier noch an anderen teilgenommen?

Ja natürlich, ich war nach dem ersten Turnier so aufgekratzt, dass ich einen Monat später im Golf Club de Sierre in Granges spielte. Ich gewann wieder, und diesmal sogar allein, hehe! Ich machte 46 Stableford Punkte und brachte mein Handicap auf 26 runter. Das war mein erster wirklicher Sieg! Nochmals einen Monat später machte ich beim Turnier des Rastenmoos Golfclubs mit in St. Gallen, dort wurde ich Dritter und blieb auf meinem Handicap. Auch dieses Turnier war super!
Wir haben gehört dass du dich sogar für ein Turnier auf einem der bekanntesten Golfplätze der Welt qualifiziert hast, auf dem Ballesteros in Crans-Montana, wo die European Master stattfinden. Kannst du uns darüber etwas mehr erzählen?
Ja, Ende Sommer sagte mir ein Freund: «Morgen ist ein kleines Golfturnier in Chermignon, mit Raclette zum Abschluss, wollen wir da mitmachen?» Ich war natürlich dabei, ich liebe Raclette! Wir machten also mit und ich gewann dieses Open de Noas. Bei der Rangverkündigung waren wir bereits am Raclette essen und ich war echt überrascht als ich hörte, dass ich gewonnen habe! Nach der Preisverleihung hiess es dann dass sich dieses Jahr die Sieger jeder Kategorie automatisch für das «Open des Open» in Crans-Montana qualifiziert hätten. Es war mir eine grosse Ehre dort eingeladen zu sein! Zwei Wochen später spielte ich also auf dem berühmten Ballesteros und wurde im Gleichstand zweiter. Die letzten neun Löcher mussten gestrichen werden, da das Wetter zu schlecht war und deshalb änderte sich auch an meinem Handicap nichts. Aber es war unglaublich dass ich die Chance hatte, mit Big Guns auf so einem tollen Platz zu spielen!

Was hältst du davon dass Golf für immer mehr Leute zugänglich wird?

Heutzutage kann ja jeder eine Spielerlizenz haben, früher war das noch anders.
Ich finde es super dass jeder Golf spielen kann, man braucht einfach ein Level damit man seine Handicap-Karte erhält und dann kann man auf der ganzen Welt Golf spielen. Es ist cool verschiedene Generationen auf dem Golfplatz zu sehen, nicht nur ältere, reiche Leute. Das war früher der Fall. Klar gibt es immer noch einige Leute die mich etwas schief anschauen wenn ich mit meinen Dreadlocks auf den Platz komme, aber wenn man gut spielt sagt niemand was. Und an die Golfregeln muss man sich halten und die anderen Golfer respektieren, so läufts nun mal.

Welches ist dein liebster Golfplatz?

Bis jetzt habe ich noch nicht auf allzu vielen Plätzen gespielt, aber meine beiden liebsten sind der Golf Club Sion und der Ballesteros.

Wie sieht dein Handicap nach dieser Saison aus?

Wenn ich das Game beim Open des Open in Crans-Montana hätte beenden könne, wäre ich jetzt auf Handicap 20. Da das leider nicht der Fall war, bin ich noch auf 26. Aber ich finde innert fünf Monaten von 36 auf 26 ist schon mal nicht soo schlecht. Ich bin zufrieden!

Und mit welcher Art Schläger spielst du? Mit welchen am liebsten?

Im Moment spielte ich mit Wilsons und Callaway. Um zu sagen welche gut sind und welche nicht, habe ich noch zu wenig Erfahrung. Das Equipement ist wirklich teuer, deshalb kaufte ich bis jetzt gebrauchte Schläger, aber für den Anfang reicht das. Ich hoffe dass ich bald einen Sponsor finde oder sonstige Helfer, die mir eine Zukunft meiner Golf-Karriere ermöglichen.

Was kannst du anderen Golfern empfehlen, die am Anfang ihrer Karriere sind?

Hört auf zu denken dass Golf etwas Unerreichbares ist, bleibt ehrlich, glaubt an eure Fähigkeiten und spielt besser als euer Herausforderer: du selbst!